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«Flehet den Ur-Ur-Gott»

Die Ingredienzien für das «Special Event» vom Montagabend waren clever gemixt: Ein Hauch von Mystik (Schatzalp), gewürzt mit Glamour (Menschen), einer Prise Spannung und etwas Irritation (Uraufführung «Herrgott und Teufel») sowie einem rechten Schuss Neugier auf Knalleffekte.

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VON MARIANNE FREY-HAUSER

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Endlich galt: Bühne frei für «Herrgott und Teufel», Helena Winkelmans Kornposition auf eine Litanei für 17 Buchstaben von Thomas Brunnschweiler. Ganz in Schwarz schlich sich der rotmaskierte Teufel heran. Sein ebenfalls maskierter göttlicher Gegenspieler trat in keuschem Weiss auf. Und beide lasen ihre schwierigen Texte von langen, langen Papierbändern, die sie beim Rezitieren über Walzen herunterkurbelten - einer der optisch-zenischen Gags der Komponistin.

Helena Winkelmans Werk liess niemanden kalt. Dazu ist die junge Musikerin handwerklich zu professionell, zu sensibel, zu einfallsreich, zu listig, zu temperamentvoll, zu unkonventionell, zu keck und vielleicht sogar eine Spur zu stolz auf ihre Bildung: Wie ein Fisch im Wasser flitzt sie durch die Musikgeschichte, durch Epochen und Stile, sammelt Klänge und Ausdrucksformen und mixt sie in einer Art «Crossover» witzig zu ihrer, von Zitaten und Anspielungen blitzenden, überschäumenden Musik.

Atonal-Zwölftöniges kontrastiert wirkungsvoll mit romantischer Innigkeit, expressiver Intensität oder mit der gelassenen Heiterkeit von Renaissance-Schalmeien. In Wellen zersplittern die oft üppig aufblühenden «schönen» Harmonien und kippen unversehens in explosiv hämmernde Pop-Beats oder Rapper-Songs.

Bei Winkelman gibt es alles: Klangschöne, raffiniert gesetzte Kammermusik, süffige U-Musik oder packende Jazzsequenzen. Es gibt wild Dissonantes und extrem heftige Eruptionen, die wiederholt als vulkanische Entladungen aufdonnern. Die Vorliebe der Komponistin für Rhythmen war ganz nach dem Gusto von Star-Schlagzeuger Mathias Würsch: Er zeigte sich in Höchstform. Das neunköpfige Ensemble, angeführt von der Komponistin (Violine) und den Rezitatoren, Lucas A. Rössner und Christoph Dangel, verhalf dem dichtgewobenen Werk mit seiner konzertierten Leistung zu einer differenzierten Wiedergabe.

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Davoser Zeitung, Freitag 3. August 2001

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